
Kronen Zeitung
KLARE REGELN GEFORDERT
„Dieses Feilschen um junge Menschen ist nicht gut“
Das Pendel bei Verbandswechseln hat zuletzt in Richtung ÖFB ausgeschlagen. Mit Paul Wanner und Carney Chukwuemeka haben sich zwei große Zukunftshoffnungen für Österreichs Nationalteam entschieden. Der Fußball-Bund hat aber auch selbst auch lange ausgebildete Talente verloren. Sportdirektor Peter Schöttel würde sich daher ein klareres Regulativ wünschen. Auch Ausbildungsentschädigungen, wie sie im Vorjahr etwa der DFB ins Spiel gebracht hat, hält er für einen gangbaren Weg.
„Von der Planbarkeit wäre eine klare Regel für alle Verbände besser“, meinte Schöttel im Gespräch mit der APA. Spieler sollten in erster Linie für das Land spielen, in dem sie ihre Ausbildung erhalten haben. „Und wenn schon ein Wechsel stattfindet, sollten die jeweiligen Verbände zumindest irgendeine Art von Entschädigung bekommen. Meine persönliche Meinung ist, dass man sich das definitiv überlegen sollte.“
„Feilschen um junge Menschen“ als Normalität
Die Problemstellung ist nicht neu, aber vordringlicher geworden. Laut Schöttel könnte im Schnitt theoretisch jeder zweite ÖFB-Nachwuchsteamspieler auch für ein anderes Land spielen, in einzelnen Mannschaften sind es sogar zwei Drittel. Manche Verbände würden schon in jungen Jahren aktiv auf Kinder zugehen und sie umwerben – manchmal auch mit leeren Versprechungen. „Das ist bedenklich“, meinte Schöttel. „Dieses Feilschen um junge Menschen ist einfach nicht gut.“
In den vergangenen Jahren ist es allerdings zur Normalität geworden. Den neuen Anforderungen trug der ÖFB Ende 2024 mit der Installation von Sebastian Prödl als Sportlicher Leiter der Nachwuchs-Nationalteams Rechnung. „Wir sind nicht da, um Leute zu überreden, sondern um mit Spielern und ihrem Umfeld zu kommunizieren und rauszufiltern, wer vom rot-weiß-roten Weg überzeugt ist“, betonte Prödl. Man müsse mittlerweile sehr breit scouten. „Das ähnelt schon fast einem Transfermarkt.“
Prödl hofft auf „Sogwirkung“ jüngster Erfolge
Teamchef Ralf Rangnick misst dem Thema große Bedeutung bei – laut Schöttel ein Mitgrund für die zuletzt positive Entwicklung in diesem Bereich. „Weil er extrem hartnäckig ist, extrem überzeugend, durchaus auch extrem ungeduldig in manchen Dingen“, erklärte der Sportdirektor. „Wenn er hinter einer Sache steht, dann verbeißt er sich in das, das macht ihn auch so wertvoll für uns.“
Prödl hofft nach den jüngsten Entscheidungen von Wanner, Chukwuemeka und Co. auf eine „gewisse Sogwirkung“. Unter Rangnick sei ein neues Bewusstsein für Erfolg entstanden. „Da sehe ich uns mit der WM-Teilnahme, aber auch dem Vizeweltmeistertitel bei der U17 auf einem guten Weg.“ Es sei aber weiterhin viel Aufklärungsarbeit zu leisten. Mitunter würden sich Spieler bereits in sehr jungen Jahren zu einem Verbandswechsel entscheiden. „In vielen Fällen ist das dann aber nicht mehr revidierbar.“
Für die Schaffung einer möglichen Ausbildungsentschädigung spielt auch das EU-Recht eine Rolle. Die großen Investitionen in einen Spieler – von den Landesverbandsausbildungszentren (LAZ) über die Spitzentalentförderung bis hin zu Akademien und Nachwuchs-Nationalteams – wären damit aber etwas abgesichert. „Da kommt schon eine Summe zusammen, die beträchtlich ist“, sagte Prödl.
Die Fälle Wanner, Maric und Grgic
Wanner war bis zur U21 für Deutschland aktiv, ehe er sich zum Verbandswechsel entschloss. Schöttel hatte den damaligen DFB-Sportdirektor Oliver Bierhoff bereits Anfang 2022 von Österreichs Interesse informiert. Der ÖFB sei seiner Meinung nach bei Verbandswechseln in den vergangenen Jahren sehr seriös vorgegangen. „Ich habe ihm gesagt, wir wollen es anders machen als viele andere. Da bin ich aber, glaube ich, eher ein Ausnahmefall.“
Ein anderer großer ÖFB-Hoffnungsträger, Matteo Maric, wechselt im Sommer von Red Bull Salzburg zu Wanners Ausbildungsclub Bayern München. Auch der kroatische Verband hat dem 16-jährigen Linzer bereits Avancen gemacht. „Was in einem halben Jahr ist, wissen wir nicht, aber aktuell ist er in diesem Alter ein überragender Spieler“, meinte Schöttel. „Es wäre schön, wenn er den Weg mit uns bis oben mitgehen würde.“ Laut Prödl befinde man sich mit Maric, seinen Eltern und seinem Berater in einem sehr guten Austausch. „Da gibt es totale Transparenz von allen Seiten.“
Diese ist nicht selbstverständlich. Mitunter haben Akteure den ÖFB bereits verlassen, obwohl sie über diesen auch einen der begehrten Plätze im Heeressportzentrum (HSZ) in Anspruch genommen haben. Sturm-Graz-Stürmer Leon Grgic ist seinen los, er wechselte im Vorjahr etwas überraschend von der österreichischen in die kroatische U21. Für die Österreicher-Topf-Regel der Bundesliga, die Einsatzminuten einheimischer Spieler fördert, zählt der 20-Jährige laut ÖFB aber nach wie vor.
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Bild: Eva Manhart











